Mit dem Rennrad über die Alpen

Tag 2: entfällt

Um euch die morgige Enttäuschung zu ersparen, wenn keine Ergebnislisten der 2. Etappe auftauchen, gibt es heut noch einen „Zusatz“bericht: die Organisatoren haben sich entschieden, aufgrund des kalten und nassen Wetters (mit Schneefall bis auf 1.800 hm – das Hahntenjoch liegt auf über 1.900 hm) die morgige Etappe zu streichen. Komplett. Es wird lediglich eine Überführung der Fahrer nach Imst geben, auf dem direkten Wege. Da wir ja den Luxus eines Begleitfahrzeugs genießen, ergibt sich dadurch für uns ein wirklicher, klassischer Urlaubstag! Ingos Papa hat auch schon als Uhrzeit zum Frühstücks-Treffen 8 Uhr vorgeschlagen ;-)!

Es gibt eine noch viel schlimmere Nachricht als der Ausfall der Etappe. Heute ist ein Fahrer 3 Kilometer vor dem Ziel so schwer gestürzt, dass er vor Ort gestorben ist. Scheinbar ohne Fremdverschulden; (nicht viel) mehr Details gibt es unter http://www.tour-transalp.de/de/live-seite/gazzetta/.

3 Kommentare 23.6.13 21:30, kommentieren

Tag 1: Von Sonthofen nach St. Anton am Arlberg

Ingos Aufruf „Man hat mir noch nie eine Banane im Vorbeifahren gereicht!“ spricht wohl für sich: es war ein fast schon furioser Auftakt heute! Ich kann kaum glauben was der Tacho für eine Durchschnittsgeschwindigkeit anzeigt: 29…. Und ich sag vor’m Start noch zu Ingo: „Wir fahren heut KEIN Rennen, ok? Hauptsache durchkommen und auf den Schnupfen Rücksicht nehmen, sonst sind die nächsten Tage vielleicht gefährdet“…

Das muss wohl an unserem tollen Fanclub liegen, der uns heute morgen in Sonthofen auf die Reise geschickt hat – an dieser Stelle ein riesen Dankeschön an alle, die extra für uns so früh aufgestanden sind. Das war ein beflügelndes Gefühl, euch alle auch nochmal am Straßenrand zu sehen! Und danke Sebastian für das schnelle Bereitstellen der Bilder, u.a. vom ersten Teil des Fanclubs:

Bis nach Immenstadt war das Rennen neutralisiert. Den fliegenden Start haben wir gar nicht mitbekommen. Bis Oberstaufen haben wir einige „Plätze“ gut gemacht, da Ingo wie ein D-Zug reihenweise Radler überholt hat. Im Windschatten konnte ich mich gut halten, und meine Ohren waren seit Km 5 sowieso zu. Die kurze aber steile und kurvenreiche Abfahrt nach Weißach haben wir gut gemeistert; die meisten fuhren vernünftig, aber es gibt auch immer wieder die, bei denen es aussieht, als stürzten sie sich gleich kopfüber ins Nirvana. Und obwohl ich Ingo immer wieder mal bremsen musste („Zu schnell!" ) überholten wir in der langen Anfahrt zum Hochtannbergpass immer wieder kleine Grüppchen, ließen die Verpflegung aus und hielten auch nicht, zum Weste anziehen, als der Nieselregen kam. Ja, es hat leider geregnet, und die Straße war teils ganz nass. Aber es hielt sich noch in Grenzen, es hätte schlimmer kommen können (während ich schreibe gießt es hier immer mal wieder wie aus Eimern). Der Hochtannbergpass hatte ein paar steile Rampen, aber mit unserer Übersetzung von der Tour de Kärnten ging er gut zu fahren. Ich war ein bisschen sprachlos über die Leistungsfähigkeit meiner Beine, die wohl in der letzten Woche die optimale Erholung hatten… Ingos Angebote, mich „einzuhängen“ habe ich abgelehnt.

Kurz vor dem Flexenpass mussten wir an einer Baustelle halten und bestimmt 3 Minuten warten. „Was sind schon 3 Minuten“ mag der ein oder andere denken – naja, wenn einem das Ziel, besser als letztes Jahr platziert zu sein, im Hinterkopf spukt, dann sind 3 Minuten verdammt lang!

Der Arlbergpass war dann auch nicht mehr weit entfernt und als wir drüber waren zählte nur noch die sichere Abfahrt nach St. Anton. Ziel erreicht in 04:21:00 Fahrzeit. Wahnsinn. Dafür ist der Husten runter in die Bronchen gewandert und die Nase läuft immer noch. Was soll’s – was für ein super Auftakt!

Um 18 Uhr (jeden Tag) erwartet uns eine Massage, dann geht’s direkt zur Pasta Party.

Wie gewohnt anbei noch die technischen Details:

Fahrzeit: 04:21:00 Std. (übrigens bei 127 km lt. unseren Tachos)

Durchschnittgeschwindigkeit: 29,17

Max. Geschwindigkeit: 76,4 km/h

Durchschnittspuls Céline: 155

Durchschnittspuls Ingo: 150

Durchschnittsleistung Ingo: 234 Watt

3 Kommentare 23.6.13 17:38, kommentieren

Tag 0: Sonthofen

Es ist wieder so weit: wir sind akkreditiert, haben die Räder und das Gepäck im Sharan verstaut, Mama vom Bahnhof abgeholt und die erste Portion Nudeln auf der Pasta Party genossen. Routiniert wie Profis – wir kennen ja schon alles vom letzten Jahr :-).

Leider gibt es – auch wie im letzten Jahr – eine kleine physische Einschränkung: ich habe Schnupfen :-(. Mal sehen, wie stark der mich einschränkt. Ich schätze nicht so stark wie die Magen-Darm-Geschichte letztes Jahr, ich habe auf jeden Fall guten Appetit!

Durch die Heimatnähe begünstigt erwartet uns morgen am Start ein ganzes „Verabschiedungskommittee“, das zum Teil zum „Empfangskommittee“ in Arco wird. Los geht es um 10 Uhr, und mit viel Daumen drücken bleiben wir während der Fahrt nach St. Anton trocken. Das ist nämlich unser größtes Anliegen: so wenig Regen und nasse Straßen wie möglich!

Interessante Info für Tag 2: die Strecke wurde aufgrund von Steinschlaggefahr verändert und deutlich verkürzt, sodass wir doch noch ein Heimspiel haben: das Hahntenjoch steht nun auf dem Programm (ein würdiger Ausgleich für den gestrichenen Riedbergpass). Details könnt ihr der offiziellen Transalp-Seite entnehmen.

Also: ab in den Urlaub :-)!

22.6.13 22:13, kommentieren

Bevor es wieder losgeht: die technischen Details (für die Technikaffinen)

Wir möchten Witeks Anregung aufgreifen und – zur Überbrückung bis zum nächsten Rennbericht – über unsere technische Ausstattung berichten.

Wir fahren beide Vollcarbonräder von Orbea, Ingo den Orca Di2 Gold Rahmen, ich den Orca Di2 Silver Rahmen. Di2 ist die Bezeichnung für die elektronische Schaltung von Shimano; die aus meiner Sicht das Highlight an den Rädern ist: geschaltet wird nicht mehr mit Hilfe von Bowdenzügen (mechanische Drahtseilzüge) sondern mit Hilfe von Kabeln und einem Akku, der ca. 1500 Kilometer Laufzeit hat; wenn er aufgeladen ist (das klingt zwar logisch, aber ICH musste trotzdem aus Erfahrung lernen :-)). Das Schalten ist präziser und braucht weniger Fingereinsatz – die Vorteile überwiegen also auf jeden Fall die 300 Gramm mehr Gewicht im Vergleich zu einer manuellen Schaltung!

Ingo fährt bei trockenem Wetter hochprofilige Lightweight-Felgen (1165 Gramm – beide zusammen!), die den Vorteil des – na, 3 mal dürft ihr raten – Gewichts haben, aber bei nasser Fahrbahn einen viel längeren Bremsweg erfordern. Bei einem Rennen im Regen fährt er also Dura Ace  C 24-Felgen (die auch nur 1454 Gramm wiegen!). Ich hab immer nur einen Satz Mavic-Ksyrium-Felgen (es gibt sie auch hier, die Zwei-Klassen-Gesellschaft), die aufgrund der Exalith 2-Technologie spezielle Bremsgummis erfordern. Die quietschen ab und zu bei stärkerem Bremsen, dafür bieten sie laut Hersteller „hohe Langlebigkeit und bestmögliche Bremsfunktion unter allen (Wetter-)Bedingungen“.

Ingos Rad wiegt 6,8 Kilo, meins 7,2. Die Preise haben wir vergessen.

Die Sättel sind klein, hart und bequem. Wer glaubt, das eine schließe das andere aus, den führe ich gerne persönlich in (meine) Sattelkunde ein :-).

Außer zwei Flaschenhaltern und Tacho ist nicht mehr dran am Rad. Bzgl. des Tachos hatten wir ja schon letztes Jahr über Ingos High-tech-Watt-,Trittfrequenz-, Kraftverteilungs-, und-und-und Messgerät geschrieben, das im Pedal integriert ist.

Flickzeug haben wir auch dabei, aber diesmal nicht in der „klassischen“ Form einer Miniatursatteltasche mit Ersatzschlauch und Minipumpe, sondern als Pannenspray, mit dem man einen Reifen schneller reparieren kann. Aber wir werden natürlich keinen Platten haben!

Achja: Ingo wird doch auch noch seine Satteltasche anbringen, sonst kann ich mich nirgendwo festhalten…

2 Kommentare 4.6.13 23:35, kommentieren

Bevor es wieder losgeht: die kulinarischen Details (für die Gourmets)

Die Frage „wie ihr euch unterwegs mit essen/trinken versorgt ohne groß zeit zu verlieren“ beantworte ich natürlich sehr gerne!

Vorweg: jeder isst Unterschiedliches in unterschiedlichen Mengen und zu unterschiedlichen Zeiten, je nach dem, was er am besten während einer so langen Belastungsphase verträgt. Grundsätzlich gilt: wenn du Hunger hast, ist es zu spät! Das können wir beide aus eigener schmerzhafter Erfahrung bestätigen.

Ingo schluckt Gels, also kleine Mengen konzentrierter Kohlenhydrate, die einen minimalen Verdauungsaufwand erfordern und schnell ins Blut gelangen. Einen festen Rhythmus hat er nicht, er nimmt sie, wenn er dran denkt und die Rennsituation es ihm erlaubt, eine Hand für 20 Sekunden vom Lenker zu nehmen. Viel länger braucht er nicht um das Gel aus der Trikottasche zu ziehen, mit den Zähnen aufzureißen und in seinen Mund zu drücken. Mit einem Schluck Wasser hinterher verträgt er die klebrige, unglaublich süße Masse gut.

Ich bin immer mit Müsliriegeln bewaffnet, die natürlich im Essprozess nicht so effizient sind wie Gels, aber meinem Magen besser bekommen, der einfach was festes braucht. Außerdem habe ich nie richtig den Effekt der Gels bemerkt (vielleicht erwarte ich auch einfach was Falsches!) und dafür sind sie mir zu süß. Also: ca. alle halbe, dreiviertel Stunde oder sobald es die Rennsituation erlaubt, in die Trikottasche greifen, einen Riegel rausholen, den ich vor dem Start schon aufgerissen habe, einen Happen kauen, runterschlucken und den Rest in den Mund schieben. Papier wieder einpacken und Hände an Lenker – das dauert geschätzt 60 Sekunden. Das zu Ende essen gestalte ich dann je nach Höhenprofil; geht’s Bergauf, brauch ich die Puste zum Fahren, dann wird erstmal der letzte große Happen gelagert; bergab hab ich Zeit zu kauen und meist sogar zu genießen!

An den Verpflegungsstationen füllen wir meist beide Flaschen auf und schnappen nach Wassermelonenstücken, Bananen, Orangen und Kuchen, soviel, wie in Mund und eine Hand reinpasst. Die andere brauchen wir ja zum Weiterfahren.

Im Schnitt trinkt jeder 5 bis 6 Flaschen à 0,75 l auf einer Transalpetappe von 5 Stunden (Ingo nur Isogetränke, ich Wasser und Iso). Bei mir gehen vier Müsliriegel drauf (nach hinten raus schaff ich meinen halbstündigen Rhythmus nicht mehr), bei Ingo 6 bis 7 Gels; dazu das Obst an den Verpflegungsständen. Wer Lust hat, kann ja mal hochrechnen, wie viele Müsliriegel ich allein dieses Jahr verspeist habe: ich saß bisher 145 Std. 30 Minuten auf dem Rad!

4.6.13 23:33, kommentieren

Die Lokalrunde

Heute haben Ingo und ich nochmal alles gegeben. Die Strategie einiger unserer Mitfahrer, die das Profil gut studiert hatten: die steilen 3 km nach dem neutralisierten Start so gut wie möglich hochkommen, um den Rest der Strecke mit und in der ersten Gruppe durchzurauschen (66km, 1100 hm).

Ingo hat’s fast geschafft. Ich nicht :-D. Es war einfach zu steil mit fast permanenten 15% Steigung. Hätte ich einen Pulsmesser dabeigehabt, hätte ich heute mit Sicherheit meinen Maximalpuls herausbekommen. Ich hab von Anfang an versucht, an der Drittplatzierten dranzubleiben und alles investiert, was die Beine noch hatten. In der Mitte des Anstiegs musste ich abreißen lassen und bin laut keuchend oben angekommen – wo ich mich mit z.T. alten Bekannten zu einer 8-köpfigen Gruppe zusammenfand. Das Ziel der Gruppe: wieder nach vorne ranfahren, also Vollgas. Mein Ziel: in der Gruppe bestehen bleiben! Auch da hab ich wieder so viel investiert, dass ich die Serpentine nicht früh genug gesehen hab und das erste Mal erfahren musste wie es sich anfühlt, auf einem Rennrad zu schwimmen. Nur ganz knapp hab ich meinen Vordermann verfehlt, der sich schon in die Kurve lehnte… kann ein Maximalpuls noch explodieren? Um den Anschluss an meine Gruppe wieder zu finden investierte ich wieder alles was ging; nur um 1 km weiter auf die gesamte erste Gruppe zu stoßen – die vor einer geschlossenen Bahnschranke in der Sonne auf die Bahn wartete! Manche pinkelten. Also bekam ich eine „zweite Chance“, aber am nächsten längeren Anstieg musste ich abreißen lassen, die Beine hatten zu wenig Saft, egal welche Trittfrequenz ich einlegte. Zu dritt fuhren wir der ersten Gruppe hinterher, durch welliges Gelände, so schnell wir drei halt noch konnten. Die letzten Kilometer waren wir dann zu sechst, wobei zwei Fahrer deutlich mehr Reserve hatten als der Rest von uns. Trotzdem gab ich nochmal Gas, nachdem einer vorne rausgefahren war, wurde von einem anderen an den ersten rangefahren und mobilisierte die wenige Kraft, die noch da war. Das Ergebnis: Platz 4 der Damen und 3 meiner Altersklasse – täglich grüßt das Murmeltier!

Ingo wurde 12.! Und wär wohl noch ein bisschen weiter vorn gelandet, wenn er sich nicht aus dem Zielsprint versucht hätte rauszuhalten; aber er hatte den richtigen Riecher, denn auf den letzten 2 km gab es nochmal 3 Stürze, die aber alle „nur“ einen ordentlichen Materialschaden mit sich brachten.

Mittags, beim Einlösen des Pizzagutscheins, den ich am Vortag gewonnen hatte, fing es an zu schütten wie aus Eimern.

 

Unser Fazit dieser Reise: eine tolle (und noch verbesserungsfähige) Veranstaltung, schöne Landschaft, nette Gemeinschaft und vor allem: eine prima Vorbereitung auf den Transalp!

A propos Transalp: in 5 Wochen geht es los, also speichert den Link in Euren Favoriten, falls er da nicht noch vom letzten Jahr ist :-)!

2 Kommentare 19.5.13 19:46, kommentieren

Die Wintersportrunde

Und wieder war es ein Rennen; allerdings bei schönem Wetter und mit einem 12 km neutralisierten Anfahren, das diesmal wirklich ein lockeres Aufwärmen ermöglichte. Ingo war auch wieder am Start, allerdings mit dem Gedanken, es etwas verhaltener angehen zu lassen. Mein Vorschlag:“ bleib doch einfach hinter mir – dann übste für den Transalp und der Puls bleibt gemäßigt“. Das hat er brav umgesetzt - bis zum Fuße des ersten wirklichen Anstiegs :-D. Da zeigte sich auch, wer sich wie gut von gestern erholt hatte. Mir ging’s besser als gedacht, aber ich konnte erwartungsgemäß an den ersten drei Damen nicht dranbleiben; dafür mich vom Rest absetzen und mit einigen Fahrern der gestrigen Gruppe gefühlt einen ICE bilden, mit dem wir die Abfahrt und das darauffolgende Tal hinabsausten. Der zweite Anstieg forderte mich mit einigen steilen Rampen ganz schön und ich musste die Zähne zusammenbeißen, um an meiner Gruppe dran zu bleiben. Dann noch eine Abfahrt und schwupps – waren die 82 km schon rum und das Ziel erreicht!

Ingo war ganz zufrieden mit den 166 durchschnittlichen Pulsschlägen pro Minute und war 7 Minuten vor mir da – wir sind also ein bestens eingespieltes Transalpteam ;-). Ich bin übrigens – wie immer – 4. Dame geworden und 3. in meiner Altersklasse. Wenn morgen niemand ernsthaft einbricht, wird das wohl auch so bleiben. Aber da denke ich dann morgen drüber nach – jetzt gibt’s Kaffee und Kuchen!

1 Kommentar 18.5.13 16:01, kommentieren