Mit dem Rennrad über die Alpen

Bevor es wieder losgeht: die kulinarischen Details (für die Gourmets)

Die Frage „wie ihr euch unterwegs mit essen/trinken versorgt ohne groß zeit zu verlieren“ beantworte ich natürlich sehr gerne!

Vorweg: jeder isst Unterschiedliches in unterschiedlichen Mengen und zu unterschiedlichen Zeiten, je nach dem, was er am besten während einer so langen Belastungsphase verträgt. Grundsätzlich gilt: wenn du Hunger hast, ist es zu spät! Das können wir beide aus eigener schmerzhafter Erfahrung bestätigen.

Ingo schluckt Gels, also kleine Mengen konzentrierter Kohlenhydrate, die einen minimalen Verdauungsaufwand erfordern und schnell ins Blut gelangen. Einen festen Rhythmus hat er nicht, er nimmt sie, wenn er dran denkt und die Rennsituation es ihm erlaubt, eine Hand für 20 Sekunden vom Lenker zu nehmen. Viel länger braucht er nicht um das Gel aus der Trikottasche zu ziehen, mit den Zähnen aufzureißen und in seinen Mund zu drücken. Mit einem Schluck Wasser hinterher verträgt er die klebrige, unglaublich süße Masse gut.

Ich bin immer mit Müsliriegeln bewaffnet, die natürlich im Essprozess nicht so effizient sind wie Gels, aber meinem Magen besser bekommen, der einfach was festes braucht. Außerdem habe ich nie richtig den Effekt der Gels bemerkt (vielleicht erwarte ich auch einfach was Falsches!) und dafür sind sie mir zu süß. Also: ca. alle halbe, dreiviertel Stunde oder sobald es die Rennsituation erlaubt, in die Trikottasche greifen, einen Riegel rausholen, den ich vor dem Start schon aufgerissen habe, einen Happen kauen, runterschlucken und den Rest in den Mund schieben. Papier wieder einpacken und Hände an Lenker – das dauert geschätzt 60 Sekunden. Das zu Ende essen gestalte ich dann je nach Höhenprofil; geht’s Bergauf, brauch ich die Puste zum Fahren, dann wird erstmal der letzte große Happen gelagert; bergab hab ich Zeit zu kauen und meist sogar zu genießen!

An den Verpflegungsstationen füllen wir meist beide Flaschen auf und schnappen nach Wassermelonenstücken, Bananen, Orangen und Kuchen, soviel, wie in Mund und eine Hand reinpasst. Die andere brauchen wir ja zum Weiterfahren.

Im Schnitt trinkt jeder 5 bis 6 Flaschen à 0,75 l auf einer Transalpetappe von 5 Stunden (Ingo nur Isogetränke, ich Wasser und Iso). Bei mir gehen vier Müsliriegel drauf (nach hinten raus schaff ich meinen halbstündigen Rhythmus nicht mehr), bei Ingo 6 bis 7 Gels; dazu das Obst an den Verpflegungsständen. Wer Lust hat, kann ja mal hochrechnen, wie viele Müsliriegel ich allein dieses Jahr verspeist habe: ich saß bisher 145 Std. 30 Minuten auf dem Rad!

4.6.13 23:33

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